Barbara Hölzl

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Weihnachtliches aus den Alpen


So fest verankert das Weihnachtsfest in vielen christlich geprägten Ländern dieser Erde ist, so unterschiedlich sind die verschiedenen Gebräuche, und so verschieden ist auch die regionale Liedkultur zu diesem Anlass. Grundsätzlich zu unterscheiden ist der jeweilige Hintergrund: Stammen die ältesten Weihnachtslieder bzw. weihnachtlichen Gesänge aus dem Bereich der Sakralmusik, so kam im Lauf der Zeit auch das Volksgut hinzu. Ab dem 19. Jahrhundert widmeten sich dann vermehrt individuelle Komponisten diesem Genre, und in der Folge nahm bis heute auch die Popularkultur reichen Anteil daran. Welten liegen zwischen stimmungsvollem Weihnachtsgesang in einer bäuerlichen Stube und der alljährlichen, oft schon im Frühherbst einsetzenden Lautsprecherberieselung in städtischen Supermärkten.

Maria durch ein Do…
Diverse
Barbara Jun. / Mar…
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Vieles von dem, was heute als Volkslied betrachtet wird, ist korrekter eigentlich als „volkstümliches“ Lied zu bezeichnen. Es handelt sich hierbei um Lieder, die zwar fest in der Bevölkerung verankert sind, jedoch eindeutig einem Textautor und Komponisten zuordenbar sind. Eines der bekanntesten Beispiele in diesem Zusammenhang ist das „Stille Nacht, heilige Nacht“, das der Dorflehrer und Organist Franz Xaver Gruber auf einen Text des Hilfspfarrers Joseph Mohr erschuf und das 1818 im salzburgischen Oberndorf erstmals erklang. Dieses heute vermutlich bekannteste europäische Weihnachtslied weist auch ein für Lieder aus dem ländlichen Raum typisches Merkmal auf: In ihrer ursprünglichen Fassung sind sie sehr oft für Gesang und Gitarre gesetzt, war diese doch im regionalen Bereich leicht greifbar und in sehr vielen Familien vorhanden. Weitere typische „Stubeninstrumente“ waren und sind insbesondere das Hackbrett und die Zither. Auch hier ein starker Kontrast zum städtischen Bürgertum, in dem sich ab dem späten 18. Jahrhundert das Klavier als häusliches Instrument durchsetzte.

Gegenüber dem volkstümlichen Lied ist das originale Volkslied über Jahrhunderte aus improvisierten Gesängen etwa der Bauern und Handwerker entstanden und zunächst lange Zeit nur in mündlicher Tradition überliefert worden. Dabei ist es nicht möglich, eindeutig einen Urheber anzugeben, wenngleich viele Volkslieder bald auch von Komponisten aufgegriffen und in verschiedensten Arrangements bearbeitet wurden.

In den deutschsprachigen Ländern kommt dem alpinen Bereich eine besondere Bedeutung in der Tradition des Volkslieds und des volkstümlichen Lieds und damit auch der Weihnachtslieder zu. Viele Lieder sind nach wie vor fest in den Dörfern der Alpentäler verankert und sind über die verschiedensten medialen Vermittlungsformen heute alljährlich wichtige Botschafter ihrer Herkunftsregion, spiegeln sie doch nicht zuletzt auch unverfälscht individuelles Brauchtum und Glaubenselemente wider. Je nach Anlass gibt es Weihnachtslieder, die von vorne herein als rein religiöse Gesänge angelegt sind und ursprünglich vor allem als Darbietung während der Weihnachtsgottesdienste gedacht waren, und solche die trotz des religiösen Festgedankens, der ein Weihnachtslied bedingt, doch eine eher „weltliche“ Ausrichtung haben („O Tannenbaum“, „Leise rieselt der Schnee“). Auch in solchen finden sich gerade in den alpinen Liedern immer wieder zumindest einzelne gebetsartige Elemente – etwa Anrufungen Gottes und der Gottesmutter –, was auf die tiefere Verwurzelung des Glaubens außerhalb der Großstädte weist.
Gibt es lokal Unterschiede, so finden sich heute in den Alpen die ursprünglichen kirchlichen Weihnachts- (bzw. Adventlieder) und die nicht ausschließlich sakral bezogenen Gesänge sowohl im Rahmen religiöser Feierlichkeiten als auch bei den häuslichen Festen, sodass von einer seltenen Verschmelzung von weltlicher und religiöser Dichtung und Musik gesprochen werden kann.

Ein weiterer interessanter Aspekt ist, dass das ländliche Weihnachtslied mit seiner oft getragenen Melodik und ruhig fließenden Gitarrebegleitung ein Anknüpfen an höfische Renaissance-Lautenlieder des 15. und 16. Jahrhunderts darstellt, worin sich Bezüge auch außerhalb natürlicher gesellschaftlicher Verknüpfungen dokumentieren.

Zu den vokalen Stücken traten freilich von jeher auch verschiedenste rein instrumentale Sätze, die zwar als Vor- und Zwischenspiele zu den Darbietungen der Gesänge fungieren, jedoch musikalisch durchaus autonom angelegt sind. Ein verbindendes Kennzeichen ist der zumeist getragene Duktus, der den friedvollen Charakter der Weihnachtszeit unterstreicht. Teilweise wurden auch Lieder in rein instrumentale Arrangements (etwa für die von Haus zu Haus ziehenden Weihnachtsbläser) übertragen. Erst in neuerer Zeit fanden durch entsprechende gedruckte Notenausgaben auch Bearbeitungen aus der städtischen Kunstmusik Eingang ins regionale Repertoire. Wie bei den volkstümlichen Liedern gibt es auch im instrumentalen Bereich viele Stücke, deren Autor nicht zuordenbar ist und daher in der Regel als „anonym“ angeführt wird. Vielfach kann man sich musikalische Autodidakten oder sogar bei einem Lehrer ausgebildete Personen der Dorfgemeinschaft – vor allem den Pfarrer oder den Lehrer – als Urheber vorstellen, und gelegentlich hat so mancher Notenfund oft Jahrhunderte später sogar eine Benennung des jeweiligen Komponisten ermöglicht.

Die Zusammenstellung auf der vorliegenden CD vereint Lieder aus dem österreichischen und bayerischen Alpenraum, aber auch schlesisches und böhmisches Melodiengut. Im Wesentlichen lassen sich vier bis fünf Gruppen von Liedern unterscheiden. Zum einen gibt es jene Gesänge, die von der Ankunft des Messias künden. In der Regel ist es eine frohe Botschaft vom Erlöser, die hier erklingt. In Hinblick auf das spätere Opfer gibt es jedoch auch verhaltenere Sätze. Hierzu gehören „Ach , mein Seel fang an zu singen“ (kirchliches Adventlied aus Vorarlberg), „O freudenreiche Nacht“ (ein 1996 unter Gerichtsakten in Radfeld/Tirol gefundenes Lied von 1790), das berühmte „Kommet ihr Hirten“ (Volkslied aus Böhmen), „Als ich bei meinen Schafen wacht“ (Köln, 1623), „Is finsta draußt, is koid und stad“ (Steiermark), „Es wird ein Stern aufgehen (Satz: Hans Bruckner) sowie „Es kommt ein Schiff geladen“ (Altes geistliches Volkslied aus dem Andernacher Gesangsbuch, 1608).

Ist in diesen Liedern oft auch ein Gruß an die Gottesmutter Maria enthalten, so gibt es auch reine Marienlieder wie das „Sei gegrüßet von uns allen“ (Marienlied aus Tirol) und „Gegrüßt seist du, Maria“ (Oberösterreich).

Einen gewissen Gegensatz bilden die Wiegenlieder für das Christuskind, in denen aber ähnlich wie in den Verkündigungsliedern teils auch schon ein Vorgriff auf den Frieden der „ewigen Ruhe“ enthalten ist. Neben dem populären „Still, Still, Still“ (Salzburg) sind „Schlaf Jesulein zart“ (Oberösterreich), das auch das Leid am Kreuz ansprechende „Still, o Himmel“ (Bayern) und „Vom Himmel hoch, o Englein kommt“ (1625) zu nennen.

Eine Verknüpfung des Wiegenlieds mit der Fröhlichkeit von Krippenliedern, in denen die Hirten die Mittler der frohen Botschaft bilden, findet sich in „Lieb Nachtigall, wach auf!“ (Krippenlied aus dem 17. Jahrhundert: Bamberger Gesangsbuch von 1670), „Was soll das bedeuten“ (Hirtenlied aus Schlesien) und „Es blühen die Maien“ (Salzburg, Tirol, Oberbayern).


Eine weitere Mischform stellen schließlich jene Lieder dar, die Elemente des kirchlichen lateinischen Gesangs mit der deutschen Volkssprache verknüpfen. Als besonders bekannte Beispiele finden sich hier das „In dulci jubilo“ (Johann Walter, 1544) und „Maria durch ein Dornwald ging“  (Eichsfeld, 17. Jahrhundert).

Alle Künstlerportraits

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Remy Ballot & Bruckners 5.

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Sándor und Ádám Jávorkai

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Trio D'Ante

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