Irnberger / Korstick / Geringas
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Violinkonzert/Tripelkonzert/Romanzen von Ludwig van Beethoven

 

Hörprobe: Romance for Violin and Orchestra No.2 in F major, Op. 50

 

Rezension auf www.klassik-heute.de von Christof Jetzschke 01.07.2017

Manchmal bedarf es nur einiger weniger Worte. „O Freude über Freude“ – so heißt es zu Beginn des Einführungstextes einer CD, die bei Vielen vielleicht erst einmal Stirnrunzeln verursachen könnte. Schon wieder eine Neuproduktion des Violinkonzerts, Tripelkonzerts und der Violinromanzen. Gewagt, möchte man denken. Hat doch Patricia Kopatchinskaja 2008 eine Aufnahme des Violinkonzerts vorgelegt, an der niemand vorbeikommt, kein Interpret und kein Musikliebhaber; eine Aufnahme, vor der selbst manche bislang herausragenden Interpretationen der Vergangenheit verblassen. Und nun also Thomas Albertus Irnberger mit dem Royal Philharmonic Orchestra unter James Judd, dazu David Geringas (Cello) und Michael Korstick (Klavier).

Zurück zum Anfang. „O Freude über Freude“ – natürlich ist damit das schlesische Weihnachtslied gemeint, das Beethoven im Kopfsatz des Violinkonzerts zitiert. Aber diese Worte sind eben auch Ausdruck dessen, was ich selbst nach mehrmaligem Anhören dieser Einspielung empfinde: die pure Freude. Nirgends ein Auftrumpfen um jeden Preis, nirgends eine überzogene, bedeutungsschwangere Tiefe. Dafür eine sprachmächtige Musik, die Dank einer außergewöhnlichen Gestaltungskunst aller Beteiligten von innen heraus strahlt. Dazu eine zum Bersten gespannte Musizierhaltung, deren Intensität – von den Paukenschlägen zu Beginn des Violinkonzerts bis zu dem vibrierenden Finale des Tripelkonzerts – ihresgleichen sucht. Nichts geschieht hier nur beiläufig; die Interpreten behalten bei aller spürbaren Musizierlust stets die Übersicht. Wie achtsam Licht und Schatten verteilt, wie organisch und bildkräftig dynamische und klangliche Spannungsbögen gezogen und wie wohlüberlegt (mitunter) überraschende Akzente gesetzt werden – das alles ist wahrhaft große Kunst. Wenngleich sich alle Beteiligten als gleichwertige Partner in einer bewundernswerten Balance erweisen und den Beethovenschen Kosmos zwischen erlesener Innigkeit und tänzerischem Humor konturenscharf, voller Esprit und mit Raffinesse erkunden, so sticht doch Thomas Albertus Irnberger ein wenig heraus. Es ist nicht nur sein agogisch überaus reizvoller, zwischen Zerbrechlichem und Furiosem, zwischen Kontrolle und dramatischer Zuspitzung wohl artikulierter und ausformulierter Violingesang, der in jedem Moment zum Zuhören zwingt; es ist vor allem seine Tongebung, die ein faszinierendes Eigenleben führt und das Ohr nicht abschweifen lässt. Dass die beiden Romanzen gegenüber den Konzerten nicht an Ausdruckskraft verlieren, mag sicher auch daran liegen. Und an einem unbändigen Ausdruckswillen, einem Sich-Gegenseitig-Befeuern, das der vibrierenden Wiedergabe des Tripelkonzerts seinen Stempel aufdrückt und zwischen Irnberger, Geringas und Korstick die Funken sprühen lässt.

Jedem, der meint, vor allem das Violinkonzert in- und auswendig zu kennen, kann ich diese Neuaufnahme nur empfehlen. Und wenn ich mich auch sehr weit, hoffentlich nicht zu weit aus dem Fenster lehne: Diese Einspielung kann es nicht nur mit jeder verfügbaren Einspielung aufnehmen, sondern verdrängt sogar viele hoch gehandelten Aufnahmen in die zweite Reihe.

 

„Da sind zunächst die geheimnisvollen Paukenschläge, mit welchen das Tutti des ersten Satzes beginnt. Die Anregung zu diesem seltsamen Motiv soll Beethoven daher gekommen sein, das er in der Stille einer schlaflosen Nacht fünf in regelmäßiger Folge wiederkehrende Schläge vernahm, mit welchen jemand an der Tür des Nachbarhauses Einlass begehrte. Von Gedanken zum Violinkonzert erfüllt und beglückt darüber, dass sein in bedenklicher Abnahme begriffener Gehörsinn das Pochen so deutlich wahrgenommen, wurden ihm die an und für sich so prosaischen Schläge zum Keim eines musikalischen Gedankens, den er im Verlauf des Satzes bis zu poetischem Tiefsinn gesteigert hat.“

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Ludwig Van Beethov…
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Thomas Albertus Irnberger arbeitet seit Jahren regelmäßig mit verschiedenen erstklassigen Orchestern und Solisten zusammen. Für diese Doppel-CD mit dem Violinkonzert und dem Konzert für Klavier, Violine und Violoncello (Tripelkonzert) von Ludwig van Beethoven sicherte sich der Salzburger Violinist die Unterstützung des Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung von James Judd. Mit dem Pianisten Michael Korstick und dem Cellisten David Geringas verbindet Irnberger ohnehin bereits eine fruchtbare Kollaboration, zuletzt wurden die Klaviertrios von Schubert veröffentlicht. Nun also die Konzerte Beethovens mit ihrer wegweisenden Bedeutung in hochkarätiger internationaler Besetzung.

 

Die Klaviertrios von Franz Schubert

»Heimlich im Stillen hoffe ich wohl selbst noch etwas aus mir machen zu können, aber wer vermag nach Beethoven noch etwas zu machen?« Diese vom jugendlichen Franz Schubert überlieferten Worte legen nahe, weshalb er sich erst 15 Jahre später, 1827 - bereits ein Jahr vor seinem Tod - an die Komposition seiner beiden großen Klaviertrios wagte, Werke von epischem, fast sinfonischen Ausmaß. Bei dieser Interpretation von Thomas Albertus Irnberger, Violine, David Geringas, Violoncello und Michael Korstick, Klavier, treten Lyrisches und die thematische Arbeit, aber auch die Affekte und Brüche in der Musik hervor, die deutlich machen, welch großen Einfluss Beethovens Schaffen auf das Werk Schuberts hatte. Änlich verhält es sich mit dem »Notturno« D 897, während der Sonatensatz »Allegro« D 28 als Frühwerk eher in der Tradition Mozarts zu sehen ist.

Die Klaviertrios
Franz Schubert
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Thomas Albertus Irnberger
Thomas Albertus Irnberger, geboren in Salzburg, begann seinen Violinunterricht am Salzburger Mozarteum, wechselte nach Linz zu Prof. Josef Sabaini und wurde in Paris von Ivry Gitlis angeleitet. Weitere Lehrer waren Mauricio Fuks, Yair Kless, Alberto Lysy, Igor Oistrach, Dmitry Sitkovetsky und Grigory Zhislin. Zahlreiche Auszeichnungen, Auftritte bei internationalen Festivals und die Zusammenarbeit wie Aufnahmetätigkeit mit Künstlern wie Jörg Demus, Evgueni Sinaiski oder Paul Badura-Skoda sowie mit dem Israel Chamber Orchestra unter Roberto Paternostro und dem Orchester »Spirit of Europe« unter der Leitung von Chefdirigent Martin Sieghart unterstreichen die musikalischen Fertigkeiten des jungen Salzburgers.

 

David Geringas
Der in Vilnius/Litauen geborene Cellist und Dirigent David Geringas zählt zur Musiker-Elite der Gegenwart. Seine intellektuelle Strenge, seine stilistische Vielseitigkeit, sein melodisches Sentiment und seine Klangsinnlichkeit haben ihm Auszeichnungen auf der ganzen Welt eingebracht.
Der Rostropowitsch-Schüler und Gewinner des 1. Preises und der Goldmedaille beim Tschaikowsky-Wettbewerb (1970) kann nunmehr auf eine jahrzehntelange Karriere zurückblicken.
Namhafte zeitgenössische Komponisten wie Sofia Gubaidulina, Ned Rorem, Peteris Vasks und Erkki-Sven Tüür haben David Geringas Cello-Konzerte gewidmet. Viele Werke der russischen und litauischen Avantgarde führte er als erster Musiker im Westen auf.
Als Dirigent ist David Geringas regelmäßig auf Podien im In- und Ausland vertreten und hier häufig auch in zweifacher Funktion als Cellist und Dirigent zu erleben. Im Wintersemester 2014/2015 ist David Geringas Gastprofessor an der University of Southern California in Los Angeles und an der Manhattan School of Music in New York.

 

Michael Korstick
Michael Korstick wurde in Köln geboren. Mit 9 Jahren erhält er den ersten Klavierunterricht und studiert später in Köln bei Jürgen Tröster und in Hannover bei Hans Leygraf. Er besucht die Meisterklasse von Tatjana Nikolaieva in Moskau und beschließt 1983 seine Studien an der Juilliard School bei Sascha Gorodnitzki. Korstick erhält in den folgenden Jahren Preise und Auszeichnungen u.a. beim Beethoven Wettbewerb Wien, Reina Sofia-Wettbewerb Madrid, Tschaikowsky-Wettbewerb Moskau und Internationalen Musikwettbewerb Montréal. 1992 leitete er die chilenische Erstaufführung des Klavierkonzerts von Samuel Barber. Weitere Konzerte und Tourneen führen ihn nach Mexiko, Korea, Andalusien und Marokko. Aus Anlass der Feierlichkeiten vom 100. Geburtstag von Claudio Arrau spielt er 2003 in Santiago de Chile einen Beethoven-Zyklus. Seine CD-Aufnahmen, die in Musikmagazinen und Feuilletons durchweg hervorragende Kritiken erhalten, erhielt er den »Echo-Klassik-Preis«, mehrfach den Preis der Deutschen Schallplattenkritik, sowie den MIDEM Classical Award.

Alle Künstlerportraits

Remy Ballot & Bruckners 7.

Klangkollektiv Wien

TrioVanBeethoven

Benjamin Schmid, Tibor Bogányi &...

Remy Ballot & Bruckners 5.

Clemens Unterreiner

Erwin Belakowitsch

Elena Denisova

The Clarinotts

Irnberger / Korstick / Geringas

Ingrid Marsoner

Ulf Bästlein

Bach Consort Wien

Strings & Bass

Rudi Wilfer

Lissy Quartett

Eggner Trio

Paul Badura-Skoda

Adamas Quartett

Janez Gregoric

Pandolfis Consort / Nicholas...

Ketevan Sepashvili

Thomas A. Irnberger

Die letzten Tage der Menschheit

Shmuel Barzilai

Pacific Quartet Vienna

Yuko Batik

Marialena Fernandes / Hotel...

Aleksic Streichtrio

Anastasia Huppmann

Elisabeth Möst / Maroje Brcic

Thomas A. Irnberger / Michael...

Dichter.Liebe

Dora Deliyska

Laura Young

Thomas Auner

Robert Holzer

Valer Sabadus

Matthias Helm / Duo Hasard

Marwan Abado & Paul Gulda

Michael Dangl & Maria Fedotova

Nadia Krasteva

Michael Krenn / Yueming Xu

Birgit Ramsl

Helmut Jasbar

Michael Korstick

Monika Lang Trio

Zoryana und Olena Kushpler

Valery Gergiev

Flaka Goranci

Walter Arlen Portrait

Benjamin Schmid

Wolfgang Holzmair

Quadriga Consort

Johanna Doderer

Alexei Kornienko

Griogry Sokolow

El Sistema

Ivan Ilic

Michael Publig

Ana-Marija Markovina

Daniel Barenboim

Chorus sine nomine

Norbert Ernst

Barbara Moser

Raluca Stirbat

Wiltener Sängerknaben

Daniela Koch

Duo DS

Wiener Klaviertrio

Miguel Kertsman

Plattform K + K Vienna

Paul Gulda

Peter N. Gruber

Acies Quartett

Daniel Auner

Belakowitsch und Delaney

Wolfgang Dimetrik

dolce risonanza / A. Holzapfel

Ensemble Mikado

Ensemble Unidas

Adrian Eröd

Family Matters

Friedrich Gulda

Guitar4mation

Barbara Hölzl

Sándor und Ádám Jávorkai

Jess-Quartett-Wien

Esther Kretzinger

Roberto Lemma

Mobilis-Saxophonquartett

Trio D'Ante

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