Lissy Quartett

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Die Mitglieder des 2008 gegründeten Lissy Quartetts haben es sich zum Ziel gesetzt, dem eher selten gespielten Repertoire für Klavierquartett mehr Raum im Konzertsaal zu verschaffen. Ausschlaggebend für ihr kammermusikalisches Wirken waren – und sind – ein gemeinsamer musikalischer Atem sowie persönliche Harmonie.

Joseph Mayseder Vo…
Joseph Mayseder
Lissy Quartett
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Der bedeutende österreichische Geiger, Pädagoge und Komponist Joseph Mayseder (1789–1863), der unter der Leitung von Haydn, Beethoven und Schubert auftrat, hinterließ eine große Anzahl von Werken, die erst heute wieder langsam der Vergessenheit entrissen werden. Darunter befinden sich viele virtuose Passagen für die Violine, denen aber auch der Wiener Charme nicht abgeht. Der philharmonische Geiger Raimund Lissy hat mit seinem Quartett für diese erste Folge der Kammermusik Mayseders vier Werke eingespielt: die konzertanten Variationen op. 63 „Souvenir à Baden“, op. 57 und op. 24, und das Divertimento für Violine und Klavier op. 35.

 

Den vier Künstlern ist es ein großes Anliegen, ihre Freude am gemeinsamen Musizieren stets in Einklang mit dem Streben nach höchster künstlerischer Qualität zu bringen.
Seinen ersten Auftritt absolvierte das Ensemble beim Festival Österreichische Musikwochen 2008 in Sofia. In der Folge war es beim Kammermusikfestival March Music Days in Russe, Bulgarien, sowie unter anderem bei weiteren Konzerten in Bulgarien, Mexico City und in Krems zu hören.
Seit 2011 spielt das Lissy Quartett jährlich ein Konzert im Gläsernen Saal des Wiener Musikvereins. Das Repertoire des Lissy Quartetts umfasst nicht nur Werke berühmter Komponisten wie Mozart, Brahms und Mendelssohn, sondern auch Raritäten von Joseph Mayseder, Louise Heritte-Viardot, Mel Bonis, Germaine Tailleferre, Richard Franck, Joseph Marx und anderen.

 

Der führende Geiger Wiens

CLEMENS HELLSBERG über den Geigenvirtuosen Joseph Mayseder, dessen Kompositionen nun auf CD erscheinen.

Es war zu Anfang des vergangenen Jahres, als ein Paar Kunstfreunde [ ] den Hofopern= Capellmeister Hrn. Otto Nicolai [ ] auf die Idee brachten, mit seinem Orchester, dem zahlreichsten und ausgezeichnetsten Musikkörper Wiens, größere Musikaufführungen zu veranstalten [ ]. Hr. Nicolai griff die Idee richtig auf, theilte dieselbe in einer Zusammentretung dem versammelten Orchester mit und - das Unternehmen war begründet." Am 28. März 2017 feiern die Wiener Philharmoniker ihr 175-Jahr-Jubiläum -Grund genug, einen Solisten dieses historischen Konzerts hervorzuheben. Der Beschluss des Hofopernorchesters bedeutete zwar die Schaffung eines zukunftsorientierten Modells; in künstlerischer Hinsicht beschritt man allerdings zunächst noch überholte Wege: Das erste Konzert war eine typische "Akademie", jene damals beliebte Aneinanderreihung von Ouvertüren, Arien, Vokalensembles, Instrumentalsoli etc., und unterschied sich lediglich in einem Punkt vom Klischee - den Anfang machte Beethovens Siebente. Ansonsten bewegte man sich auf bekannten Bahnen, und obwohl die Veranstaltung als "Damm gegen das grassirende Virtuosenthum" gedacht war, engagierte man Adrien-François Servais, den berühmtesten Cellisten Europas, der das Publikum mit einem Virtuosenstück begeisterte. Ein weiterer Solist erhielt weniger Aufmerksamkeit: Joseph Mayseder begleitete die Sopranistin Jenny Lutzer bei einer Arie von Mozart. Der am 26. Oktober 1789 in Wien geborene Joseph Mayseder lernte Geige bei Anton Wranitzky und Ignaz Schuppanzigh, der im Winter 1804/05 die ersten öffentlichen Streichquartettkonzerte der Welt durchführte und dabei seinen 15-jährigen Schüler als Sekundgeiger einsetzte. 1805 attestierten Joseph Haydn, Antonio Salieri, Johann Georg Albrechtsberger und andere, dass "der Jüngling auf der Violine solche außerordentliche, sein Alter übersteigende Fortschritte gemacht habe, daß er unter die Klasse der ersten Virtuosen zu zählen sei". In Kürze stieg er zum führenden Geiger Wiens auf: Nachdem er bei Konzerten unter der Leitung von Haydn und Beethoven mitgewirkt hatte und in eigenen Veranstaltungen als Violinvirtuose hervorgetreten war, erhielt er 1810 ein Engagement als Solospieler am k. k. Hofoperntheater und wurde 1815 Mitglied der Hofmusikkapelle.

Obwohl Mayseder, der am 21. November 1863 in Wien starb, bis zu seinem Tod als großer Geiger verehrt wurde, geriet er weitgehend in Vergessenheit. Und dies, obwohl eine Gasse im ersten Bezirk nach ihm benannt ist und er zahlreiche, einst beliebte Werke hinterließ, die in rund 900 (!) Ausgaben erschienen - neben Virtuosenstücken auch Streichquartette sowie eine Messe, die in der Hofmusikkapelle bislang 128 Mal aufgeführt wurde. Es ist ein bemerkenswertes Verdienst von Raimund Lissy, seit 1988 Mitglied des Staatsopernorchesters beziehungsweise der Wiener Philharmoniker, sich wissenschaftlich wie geigerisch mit Mayseder auseinanderzusetzen. Er erforscht die Ausgaben, führt die zum Teil hoch virtuosen Werke auf und gab nun mit dem "Lissy Quartett", dem die Pianistin Srebra Gelleva, der philharmonische Bratschist Robert Bauerstatter und Maria Grün, Cellistin der Wiener Symphoniker, angehören, die Compact Disc Joseph Mayseder. Kammermusik Vol. 1 (Gramola) heraus. Sie enthält vier erstmals für Tonträger eingespielte Kompositionen und stellt eine Hommage an einen der größten (Wiener) Geiger dar, dessen Name am Beginn der philharmonischen Geschichte steht - und für mich mit einer besonderen Emotion verbunden ist: Mein Vater Eugen Hellsberg legte 1955 an der Universität Wien seine Dissertation Joseph Mayseder (Wien 1789 bis 1863) vor.
"BÜHNE" Nr. 03 / 2017 vom 27.02.2017

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