Haydn Alla Zingarese
Haydn und Tradition
Paul Gulda / Robo Gaspar Banda

GRAMOLA, 1 CD

Veröffentlichungsdatum: 12.04.2012

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Haydn Alla Zingarese

Haydn alla Zingarese - Zingarese à la Haydn
(Live im Minoritensaal in Graz am 12. Dezember 1993)

Ausgehend vom Schaffen Joseph Haydns und den Musiktraditionen ungarischer beziehungsweise slowakischer Roma ("Zigeuner") - die heutige Slowakei war bis zum Jahre 1918 ungarisches Staatsgebiet - möchte dieses ungewöhnliche Konzert die Geschichte einer kulturellen Begegnung und gegenseitigen Bereicherung nachzeichnen. "Meine Sprache versteht die ganze Welt" , sagte Haydn über seine Musik - und im pannonischen Raum, am Schnittpunkt verschiedenster Völkerschaften, konnten mehrere (Musik-) Sprachen nebeneinander gedeihen und voneinander lernen, ohne ihre Eigenart zu verlieren.

Schon zur Zeit der Türkenherrschaft in Ungarn sind Roma als Musiker verbürgt. Dieser Beruf bot eine der wenigen Möglichkeiten eines gewissen sozialen Status. Und so wurden Roma bis ca. 1800 zu den Hauptvertretern der ungarischen Musik - bei dörflichen Festen, bei den Vergnügungen des Adels und auch bei der Soldatenwerbung der habsburgischen Armee. Vom Adel schließlich wurden die Roma und ihre Musik im Zuge des nationalen Erwachens "entdeckt" und gefördert und ab der Mitte des 19. Jahrhunderts als Inbegriff des ungarischen Nationalcharakters in aller Welt bewundert und gefeiert - beispielsweise auch von Liszt und Brahms.
Mit großer Sicherheit hatte Haydn um 1770 in Esterháza mehrmals Roma-Ensembles erlebt und das Gehörte in eigenen Werken kompositorisch verarbeitet. Dabei handelt es sich weder um ein Kopieren dieses Stils noch um eine Zutat im Sinne musikalischer Exotik (wie etwa die diversen "Capriccio espagnoles" etc. des späten 19. Jahrhunderts), sondern um einen integrierenden Umgang mit verschiedenen Elementen der umgebenden Musiklandschaft zu einer Zeit, als stilistische und nationale Grenzen noch durchlässig waren. Umgekehrt bereicherten und erweiterten die Roma-Musikanten stets ihre Spielweise um neue Elemente und Varianten (und das bis zum heutigen Tage), dabei auch der Mode und den Wünschen ihrer Auftraggeber folgend.
Vom "Hayducken-Tanz", der schon während der Türkenzeit existierte, führt die musikalische Entwicklung über den "Verbunkos" (zur Zeit Haydns der "Saltus Hungaricus" oder "Ungarische" schlechthin) bis zum nationalen Csárdás Mitte des 19. Jahrhunderts. Dieser bleibt schließlich bestimmend für das Bild der ungarisch-zigeunerischen Musik und wird dann von Komponisten wie Strauss oder Lehár (noch im Jahre 1930) stilisiert. Und deren Werke wiederum werden von verschiedenen Kapellen unterschiedlich interpretiert. Die charakteristischen virtuosen Umspielungen der Melodie durch den Primas beispielsweise sind weitgehend von den Spielweisen der Wiener Klassik beeinflusst, die Harmonik dagegen vom Stil des späten 19. Jahrhunderts.
Angesichts dieser Entwicklungsgeschichte ist eine Rekonstruktion dessen, was Haydn an "Zingarese"-Musik gehört haben mag, kaum möglich und auch nicht Zweck dieses Konzerts. Schließlich kann auch Haydns Musik heute nicht mit letzter Sicherheit "authentisch" interpretiert werden. Vielmehr geht es um eine freundschaftliche Annäherung der beiden Stile und für mich als "klassischen" Musiker um ein Lernen der improvisatorischen Spielfreunde der Roma.
(Paul Gulda im Programmheft)




Gespräch mit Paul Gulda

"Herr Gulda, wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Projekt?"
"Also, seit 1991 bin ich an einer Initiative in Rechnitz im Südburgenland beteiligt, die gewisse historischpolitische Gegebenheiten gerade unter dem Aspekt der Kultur beleuchten und erklären will. Und auf der Suche nach Programmen, die wirklich zu diesem Kulturraum, in diese Gegend passen, stößt man sehr bald auf die ernorme Vielfalt ethnischer Traditionen im ehemaligen Westungarn, heute Burgenland. Es lag also nahe zu zeigen, daß Haydn, der musikalische "Nationalheilige", die Musik der nachmals verfolgten Roma mit großem Gespür und Begeisterung in sein Werk hatte einfließen lassen. Ich glaube ja, daß das ein Symbol, stellvertretend für vieles andere, in unserer zu Recht gerühmten österreichischen Kultur ist. Die speist sich aus vielen Quellen: Osten, Süden ... das macht sie spezifisch, bunt, universell, anziehend auch für Beethoven, Brahms ... denken Sie an die Ungarischen Tänze! Das Nationalistische ist uns wesensfremd, das ist sehr sympathisch an unserer Kultur. Das war immer ein "melting pot", wenn Sie so wollen."

"Haydns Beiträge sind natürlich bekannt?
"Ja, vom Zigeunertrio angefangen - das haben Musikwissenschafter längst untersucht - bis zu Motiven da und dort verstreut, manches auch auf Volksmusikquellen zurückgeführt. Alla Zingarese, all´ Ongarese, das war für die damalige Zeit eins. Volkmusik in Ungarn wurde prinzipiell von Zigeunern gespielt."

"Und wie sind Sie auf die Robo-Gaspar-Banda gestoßen?"
"Ich habe oft beruflich in Bratislava zu tun und habe mich einfach umgehört. Der Glücksfall ist, daß Herr Gaspar Konzertmeister in der Oper dort ist, also dem Thema Haydn Interesse entgegenbringt. Von der Oper hört man allerdings nichts mehr, wenn er und seine Leute richtig losziehen! Eine Kapelle, die nur Zigeunermusik spielt, sagt mir vielleicht - mit gewissem Recht: wir machen nur das und sind auch nicht bereit oder fähig, eine Haydn-Melodie für die Banda zu adaptieren. Dann ist ja Bratislava, ehemals Pozsony/Preßburg, selbst so ein Schmelztiegel und die nächstgelegene Großstadt zu Haydns Wirkungsstätte. Also ist das auch historisch stimmig."

"Und die Zusammenstellung des Programms ...?"
"... hab' ich gemacht. Ich habe einige Platten schon gehabt, dann von Robo Bänder bekommen und mich da reingehört. Ich hab' dabei wunderbare Musik kennengelernt, genug für viele Programme, mußte mich aber beschränken. Ich glaube, daß es bei dieser Lösung an vielen Stellen wirklich "klickt", also die Verwandtschaft stark spürbar wird. Dann kam mir auch der Zufall zu Hilfe: eine Platte, in Polen gekauft, enthielt ungarische Tänze vom Ende des 18. Jahrhunderts. Der Leiter dieses Ensembles in Szombathely war mir sofort mit Notenmaterial jener Zeit, neu ediert, behilflich. Das hab' ich dann für "Klassiker", also Streichquartett und Klavier, arrangiert, und unser Primas, also der Hohenthal (da gibt's natürlich wieder Vorfahren in Rumänien), spielt das einfach auch hervorragend.
Also das war wirklich ein Abenteuer, das Ganze, und die Sehnsucht danach hat mich wohl auch angetrieben. Ich weiß nicht, ob ich das verallgemeinern darf für meine Kollegen, aber es gibt ein anderes Musikmachen, weg vom Betrieb, von den "Heiligen Hallen" ... Das hab' ich gesucht und hier gefunden. Schauen Sie, das ist ja in der Familie vorgezeichnet."

"Spielen auch alle zwölf Musiker einmal zusammen?"
"Das war dramaturgisch natürlich unabdingbar! Der erste Teil endet mit dem bekannten Rondo aus dem Klavierkonzert in D-Dur, und so werde ich wohl nicht bald wieder begleitet wie von Klassikern und Zigeunern gemischt!
Und das Finale hab' ich wieder selbst arrangiert; das ist eigentlich die Geschichte der Begegnung selbst - da gibt es also eine strenge
   
     
CD Track Titel Dauer Komponist PLAY
1 1 Rondo all` Ongarese 4:25   0,99€
2 Gelem, gelem lungone dromeja 5:58   1,59€
3 Rondo Banda Version 1:14   0,99€
4 Rondo Original Version 3:35   0,99€
5 Moderato-Allegro 2:11   0,99€
6 Moderato-Allegro Banda Version 2:06   0,99€
7 Allegro moderato 2:14   0,99€
8 Mikor a penze elfogyott 4:40   0,99€
9 Adagio 6:36   1,59€
10 Romano Jilo 5:33   1,59€
11 Galantai Tancok 8:01   1,59€
12 Metla Khel 1:26   0,99€
13 Rondo. Presto 2:47   0,99€
14 Ciganski Plac 6:03   1,59€
15 Finale. Medley 10:25   2,39€
16 Presto 2:02   0,99€
17 Khana gelom Bistricu 1:44   0,99€
 

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