Violinsonate
RICHARD STRAUSS
Thomas Albertus Irnberger / Michael Korstick

GRAMOLA, 1 LP

Veröffentlichungsdatum: 15.12.2014

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Violinsonate

»Die Zeit, die ist ein sonderbar Ding« ...
... räsoniert die Marschallin im »Rosenkavalier«. Sie fließt zuerst kaum wahrnehmbar dahin, bis sie einen schließlich doch - das Bild der rieselnden Sanduhr vor Augen - die eigene Vergänglichkeit spüren lässt. Der Begriff »Zeit« bewegt auch den jungen Richard Strauss, wenn auch in anderer Weise als die Marschallin. Seine 1887 entstandene Sonate für Violine und Klavier op. 18 in Es-Dur trägt sowohl Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft als auch Zeitlosigkeit in sich. Sie ist ein Werk in der Art eines sozusagen dreifachen Januskopfes, das Vergangenes und Gegenwärtiges beleuchtet sowie auf Kommendes hinweist. In ihr spiegeln sich die musikalischen Wurzeln des Komponisten wider - zum Beispiel im zweiten Satz, der wie ein Mendelssohn'sches Lied ohne Worte wirkt, aber sowohl Bezüge zu Beethovens Klaviersonate op. 13 (»Pathétique«) als auch zu Schuberts Ballade »Erlkönig« enthält, während sich die beiden Ecksätze einerseits an Schumann orientieren, andererseits auch seiner damals ganz aktuellen Begeisterung für Wagners »Tristan« Ausdruck verleihen. Die versteckten Anspielungen auf seine eigene Tondichtung »Don Juan« wiederum weisen den Weg, den der Komponist in naher Zukunft beschreiten möchte.

Wollte man die Klänge der Violinsonate visuell umsetzen, würde einem wohl ein geheimnisvolles Zauberreich vorschweben, das Ähnlichkeiten mit dem Venusberg der Liebesgöttin aufweist. (»Als ich allmählich mit Richard Wagners Werken bekannt wurde, erinnere ich mich nur, daß mir im Tannhäuser die Verwandlung vom Venusberg zum Wartburgtale den größten Eindruck gemacht hatte ...«).

Hier lebt ein durch die Heldentonart Es-Dur (Strauss' »Ein Heldenleben«, Beethovens »Eroica«) und ein drängendes, heroisches, mit Triolenarabesken geschmücktes Thema charakterisierter Protagonist sein zeitloses Dasein in einem Liebes- und Genussrausch, von einem mit der Vortragsbezeichnung »Appassionato« ausgestatteten Walzer untermalt. Nachdem Strauss im zweiten Satz das Liebeslied seines Helden durch Bezug auf Schuberts »Erlkönig« mit dem Ausdruck des Dämonischen unterwandert, wird er dann im dritten Satz im thematischen Hauptgedanken konkret. Es geht eben nicht um Tannhäuser, sondern um Don Juan, das Urbild des Verführers, und die Violinsonate ist des Komponisten musikalischer Weg zu ihm und zu dessen »Venusberg«. Mit der literarischen Umsetzung ist ihm der Philosoph Kierkegaard bereits 1843 vorangegangen:
Dort hat die Sinnlichkeit ihr Heim, dort hat sie ihre wilden Freuden; denn sie ist ein Reich, ein Staat. In diesem Reiche ist die Sprache nicht zu Hause, nicht die Besonnenheit des Denkens, der Reflexion mühevolles Erringen, dort ertönt allein die elementarische Stimme der Leidenschaft, das Spiel der Lüste, der wilde Lärm des Rausches, dort genießt man nur im ewigen Taumel. Der Erstling dieses Reiches ist Don Juan.
Thomas Albertus Irnberger
   
     
 

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