Dystonia//Sonate D959/Kreisleriana
Schubert / Schumann
Andreas Eggertsberger

GRAMOLA, 1 CD

Veröffentlichungsdatum: 07.10.2019

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Dystonia//Sonate D959/Kreisleriana

Der Pianist Andreas Eggertsberger galt bereits in frühen Jahren als Wunderkind, gab mit 12 seinen ersten Konzertabend und schloss das Klavierstudium am Bruckner-Konservatorium Linz im Alter von nur 15 Jahren ab. Weitere Studien, eine internationale Karriere und viele Preise schlossen sich an, bevor Eggertsberger nach langer Suche nach Ursachen für sein nachlassendes Spiel der linken Hand 2012 schließlich die Diagnose ,,fokale Dystonie" erhielt - dieselbe neurologische Krankheit, die bei Robert Schumann wohl zum ersten Mal in der Geschichte dokumentiert wurde. Die langjährige Therapie bedingte ein vollkommenes Neu-Erlernen des Klavierspiels, minutiöse Übungen, um eingespielte Bewegungsabläufe wieder unter Kontrolle zu bringen. Fünf Jahre später sieht sich Andreas Eggertsberger geheilt und kehrt auf das Konzertpodium zurück. Für seine Debüt-CD unter dem bezeichnenden Titel ,,Dystonia" bei Gramola nahm der Linzer Pianist die Kreisleriana, op.16 von Robert Schumann und die Sonate A-Dur, D. 959 von Franz Schubert auf.


Andreas Eggertsberger wurde 1980 in Linz geboren. 1995 machte er als jüngster Absolvent der Geschichte des Bruckner-Konservatoriums das Konzertdiplom mit Auszeichnung. Weitere Studien führten ihn an die Musikuniversitäten Salzburg in die Klasse des legendären Pädagogen Karl Heinz Kämmerling und nach Wien wo er bei Oleg Maisenberg seine Studien beendete. Zusätzlich verfeinerte er sein Klavierspiel bei Thomas Hecht, dem ehemaligen Assistenten Leon Fleishers, am YST-Konservatorium in Singapur. Ab Herbst 2010 setzte Eggertsberger seine Studien an der University of Michigan, Ann Arbor, in der Klasse des renommierten amerikanischen Pianisten Arthur Greene fort.
Eggertsberger wurde bei vielen nationalen und internationalen Wettbewerben (u. a. 1992 Ettlingen, 1993 Yamaha Stipendium, 2009 Semifinalist beim internationalen Klavierwettbewerb Louisiana, USA) mit Preisen ausgezeichnet. Für seine Interpretation der Beethoven-Sonate op.106 erhielt er den Taras Gabora Preis beim Internationalen Musikfestival in Casalmaggiore.
Eggertsberger tritt in Konzerten in Europa und Asien als Solist und in verschiedenen kammermusikalischen Formationen an die Öffentlichkeit. Er war unter anderem in Konzerthäusern wie dem Wiener Konzerthaus, Brucknerhaus Linz, Beethovenhaus Bonn, der Queen Victoria Hall und Esplanade in Singapur, sowie regelmäßigbei den Salzkammergut Festwochen in Gmunden zu Gast.

   
     
CD Track Titel Dauer Komponist PLAY
1   Franz Schubert: Sonate A-Dur D 959        
1     I Allegro 16:23   3,19€
2 II Andantino 7:40   1,59€
3 III Scherzo. Allegro vivace 5:24   1,59€
4 IV Rondo. Allegretto 12:38   2,39€
  Robert Schumann: Kreisleriana, Op. 16        
5     I Äußerst bewegt 2:50   0,99€
6 II Sehr innig und nicht zu rasch 9:03   1,59€
7 III Sehr aufgeregt 4:26   0,99€
8 IV Sehr langsam 2:54   0,99€
9 V Sehr lebhaft 3:20   0,99€
10 VI Sehr langsam 3:31   0,99€
11 VII Sehr rasch 2:22   0,99€
12 VIII Schnell und spielend 3:28   0,99€
 

Dystonia; Franz Schubert: Sonate D. 959; Robert Schumann: Kreisleriana; 1 CD Gramola 99187; Aufnahme 06/2019, Veröffentlichung 10/20189 (74'04) - Rezension von Remy Franck

Der Pianist Andreas Eggertsberger (*1980) wurde in seiner brillanten Karriere abgebremst durch fokale Dystonie und eine dadurch nachlassende Beweglichkeit der linken Hand – jene neurologische Krankheit, an der auch Robert Schumann litt. Nach mehrjähriger Therapie kehrte Andreas Eggertsberger geheilt auf das Konzertpodium zurück. Dies ist seine erste CD. Und sie ist beachtlich!

Die Schubert-Sonate gestaltet der Pianist sehr spontan, mit kräftigen Akzenten, aber gleichzeitig sehr lyrisch und empfindsam und im ersten Satz auch mit spürbarer Zuneigung. Mit seiner atmenden Gestaltung und einem sensiblen Hineinhören in die Schubertsche Musik der Stille und der Klage, des Aufbäumens aber auch des Hoffens gelingen ihm auch sehr schöne Darbietungen der drei andern Sätze. Eine berührende Interpretation!

Eggertsberger präsentiert dann einen schön gebundenen Strauß von Schumanns Kreisleriana, der auch die anspruchsvollsten Musikliebhaber begeistern wird. Der einfache, aber ausdrucksstarke Ansatz des österreichischen Pianisten zeigt eine Liebe zum Detail, die sich gut in die Struktur jedes Stückes einfügt. Eine reiche Palette von Nuancen und Klangfarben, gepaart mit einem guten rhythmischen Gespür ermöglicht ihm eine meisterhafte Interpretation dieser Welt der musikalischen Phantasie.



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Oberösterreichischer Pianist überwand Bewegungsstörung
Krankheit als Karrierekiller

Dystonia, das ist der englischsprachige Überbegriff für die im Deutschen als Musikerkrampf bekannte Krankheit Fokale Dystonie. „Dystonia“ ist aber auch der Titel eines neu erschienen Albums von Andreas Eggertsberger, auf dem der oberösterreichische Pianist seine persönlichen Erlebnisse mit dieser neurologischen Erkrankung verarbeitet. Sie gilt in Musikerreihen als Karrierekiller.

Einst als Wunderkind gefeiert, wurde die Karriere des Öberösterreichers vor einigen Jahren durch die Krankheit jäh eingebremst. Das Album „Dystonia“ ist daher eine sehr persönliche CD geworden. Neben Franz Schuberts Klaviersonate in A-Dur (D 959) ist mit der Kreisleriana nicht ohne Grund auch ein Werk aus Feder von Robert Schumann zu hören. Schließlich gilt die Fingerlähmung des deutschen Komponisten als der erste dokumentierte Fall von Musikerdystonie, wie auch das Booklet der CD erklärt. Das Album will der musikalisch gereifte Andreas Eggertsberger, der die symptomatische Bewegungsstörung im Gegensatz zu Schumann erfolgreich überwinden konnte, als Statement verstanden wissen: „Meine Aufnahmen zeigen, dass bei richtiger Behandlung eine Wiedererlangung der Feinmotorik möglich ist.“ Trotz dieser Perspektive sei die Krankheit in der Musikbranche noch immer als Karrierekiller mit einem Tabu behaftet: „Seit ich meine Geschichte öffentlich gemacht habe, haben sich mir aber viele Betroffene anvertraut“, so der 38-Jährige. Durch das positive Echo sieht er sich in seinem Weg bestätigt. In Zukunft möchte Eggertsberger seine Erfahrungen als Berater, Lehrer und Vortragender an Betroffene weitergeben. – JW / Kronen Zeitung Samstag, 2. November 2019



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Andreas Eggertsberger spielt den ersten Satz aus der Klaviersonate in A-Dur von Franz Schubert. Er spielt ihn mutig. Vielleicht auch weil Eggertsberger zu jener Generation junger Pianisten gehört die sich offensichtlich von Moden verabschieden. Sie richten sich nämlich nicht nach einem überlieferten Klangideal, sondern gehen die Musik anders an. In Eggertsbergers Händen klingt Schubert fast ein bisschen schroff, ziemlich aufgewühlt auf jeden Fall und kantig.

Andreas Eggertsberger hat die A-Dur Sonate von Franz Schubert aufgenommen und die Kreisleriana von Robert Schumann. Anders klingt diese Musik, weil Eggertsberger sich regelrecht freispielt. Er akzentuiert stark. Bereits der Beginn der Sonate ist fast schon kompromisslos aufbrausend. Fast störrisch. Eggertsberger spielt diese Musik insgesamt eher trocken und transparent. Stimmen trennen sich deutlich. Das Pedal ist sparsam dosiert. Der Flügel auf dem er spielt hat eine sehr klare Diktion. Es ist ein Bösendorfer Imperial von 1922 und das hört man deutlich: der Klang ist etwas härter, spitzer als ein Steinway, nicht so symphonisch, klavieriger irgendwie. Die Aufnahme ist zudem sehr präsent produziert: sie klingt als hörte man direkt in den Bösendorfer in die Saiten hinein.

Andreas Eggertsberger spielt auch Robert Schumanns Kreisleriana mit dieser starken Energie, impulsiv, auf Kontraste bedacht, nicht unbedingt auf romantisierende Lyrizität. Das ist tatsächlich einmal eine andere Sichtweise und hat eigenen Charme.

Der österreichische Pianist Andreas Eggertsberger hat seine Interpretationen von Schubert und Schumann auf einer CD veröffentlicht die einen außergewöhnlichen Titel trägt: Dystonia. Außergewöhnlich denn Dystonia ist die medizinische Bezeichnung für eine Erkrankung die sich auch auf Deutsch nicht selbst erklärt: fokale Dystonie. Dieser Titel lässt aufhorchen, weil er auf den ersten Blick nicht zur Musik von Schubert und Schumann passt.

Eine fokale Dystonie ist eine Muskelerkrankung an der eine Vielzahl von MusikerInnen im Laufe ihrer Karriere erkranken ohne dass diese aber sichtbar werden. Auch Andreas Eggertsberger litt an einer fokalen Dystonie in der linken Hand. Vereinfacht beschrieben zeigt sich die Krankheit als Krampf in den Fingern kombiniert mit einem Tremor, einem Zittern der Hand. PianistInnen die an einer fokalen Dystonie leiden müssen nur in die Nähe einer Klaviertastatur kommen und der dritte oder vierter Finger rollen automatisch ein. Wie ein Krampf. Der Spieler bekommt den Finger einfach nicht mehr gestreckt. Die Krankheit kommt aus dem Nichts und befällt häufig KünstlerInnen zu Beginn einer wirklich großartigen Karriere. Der amerikanische Pianist Leon Fleisher litt unter fokaler Dystonie, der Schweizer Pianist Antoine Rebstein der einst ein Wunderkind war hatte sie, auch Andreas Eggertsberger.

Wenngleich es überwältigend große und schöne einhändige Literatur sowohl für rechts als auch für links gibt, gilt der einhändige Pianist als „unnormal“. Klavier ist meist doch nur für zwei Hände gedacht. Andreas Eggertsberger hat sich in diese vermeintliche Normalität zurückgespielt. Er ist einer der wenigen die das geschafft haben. Dystonia ist nach seiner Erkrankung 2012/2013 seine erste CD als geheilter Pianist. Er spielt wieder zweihändig. Sie also ein Neuanfang eines Künstlers der mit 9 Jahren begann Klavier zu spielen, der mit Stipendien und Preisen ausgestattet wurde bis die Dystonie einsetzte.

Dass Eggertsberger seine Geschichte hier so offen erzählt ist ein Gewinn. Denn fokale Dystonie gilt in der Hochleistungsbranche der Klassik als Makel. Sie wird oft verschwiegen, ist schambehaftet, weil die Erkrankung wie eine Schuld empfunden wird. Diese CD lohnt sich, weil sich hier tatsächlich ein Mann hörbar freispielt und weil seine besondere Geschichte erzählt werden muss.



hr2 Podcast (14.01.20)



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Für Andreas Eggertsberger ist diese Einspielung eine wichtige Wegmarke seiner Biografie. Sie steht am Ende eines Krankheitsprozesses – vom Erkennen einer neurologischen Störung über die Diagnose der fokalen Dystonie in der linken Hand bis zur erfolgreichen therapeutischen Behandlung. Gewiss haben diese auch existenziell bedrohlichen Erfahrungen auf das künstlerische Ergebnis der Interpretationen eingewirkt, denn Eggertsberger gelingen hier Darbietungen von enormer Eindringlichkeit.


Sowohl in Schuberts A-Dur-Sonate mit ihrer epischen, großangelegten Architektur als auch in den lyrischen Miniaturen von Schumanns „Kreisleriana“ schlägt der Pianist einen Ton an, der so etwas wie den „Ernstfall der Musik“ herausarbeitet. Mit konziser Strenge artikuliert er die einleitenden Akkorde von Schuberts Spätwerk und gibt damit seine konsequente Richtung eines von jeglicher oberflächlichen Pose befreiten und von konzentriertem Ausdruck gesättigten Spiels vor. Eggertsberger geht es nicht um effektvolle Präsentationen, sondern um innere Sinnzusammenhänge, was vor allem im zweiten Satz der Sonate deutlich wird, wo der zarte Rhythmus wie ein Balanceakt zwischen Leben und Tod erklingt, ein ständiges Changieren zwischen Kinderwiege und Trauergondel. Den disparaten Mittelteil stellt er als seelischen Zusammenbruch ohne theatralische Gesten dar. Der modulationsfähige, klare und charaktervolle Klang des wunderbaren Bösendorfer Imperial von 1922 kommt dabei Eggertsbergers Intensionen ebenso entgegen wie bei den innerlich hoch expressiv ausgeleuchteten Charakterstudien von Schumanns „Kreisleriana“.

Frank Siebert



FonoForum (12.02.20)



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"Austrian pianist Andreas Eggertsberger’s recording of Schubert’s Sonata in A major, D. 959 reveals playing of great maturity, patience and wisdom, always combining a fine sense of musical clarity with deep expression. Under Eggertsberger’s hands, the music is allowed to breathe and unfold at a natural and satisfying pace. The Andantino second movement’s sorrowful mood is conveyed in the same manner that finer singers of Schubert’s Lieder would happily embrace. The lovely innocence of the finale unfolds with admirable yet subtle coloristic variety and boundless imagination.

Schumann’s Kreisleriana, op. 16 highlights Eggertsberger’s fire and passion, juxtaposed with many moments of strikingly poignant lyricism. His playing is always clear and balanced, yet it packs a powerful emotional impact. That combination makes this a performance of the highest rank. Surely, after overcoming a neurological condition as daunting and devastating as a focal dystonia, this artist has emerged as a finer musician for having suffered and ultimately triumphed over the malady." Dr. Thomas Lanners, Professor of Piano, Oklahoma State University

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