Gemischter Satz
Strauss / Schrammel / Arnold / HC Artmann... / Lanner
Phil.Schrammeln / Ebner / Wagner-Trenkwitz / Groissböck

GRAMOLA, 2 CD

Veröffentlichungsdatum: 15.11.2021

Artikel ist sofort lieferbar.

€ 21,90


Download: 14,99 € WAV
Download: 9,99 € MP3

 

Gemischter Satz

Es ist eine glückliche Fügung, wenn anlässlich einer bemerkenswerten Opernpremiere ein von der Fachwelt gefeierter Bassist und einer seiner Sängerkollegen eine nähere Freundschaft entwickeln und dabei ihre gemeinsame Vorliebe für das Wienerlied entdecken, und es ist ein Glücksfall für alle Liebhaber dieses Genres, wenn ein von beiden spontan entwickeltes Projekt in einer gemeinsamen Wienerliedproduktion endet.
Günther Groissböck und Karl-Michael Ebner schließen damit an prominente Vorgänger aus Kreisen der Wiener Künstler der Opernbühnen an, die mit ihren Interpretationen typische Wiener Lieder einer breiten Öffentlichkeit über den Kreis der speziellen Liebhaber hinaus bekannt machen.



Die Rede ist hier nicht von den vereinzelten ,,gehobenen" Wiener Liedern im Repertoire der internationalen Bu?hnenstars, mit denen sie bei ihren Auftritten ihrer Gastgeberstadt huldigen. Allen genannten Ku?nstlern ging und geht es darum, einen regional verwurzelten Melodienschatz, das traditionelle Erbe einer musikbegeisterten Stadt in die Gegenwart weiterzutragen und zu bewahren. Das Wienerlied wurde in der Vergangenheit immer wieder totgesagt, hat aber immer wieder begeisterte Interpreten und ein interessiertes Publikum gefunden. In den letzten Jahrzehnten ist auch ein gesteigertes Interesse junger Musiker und Zuhörer zu vermelden.



Keiner der beiden Sänger ließ auch nur einen einzigen Moment daran zweifeln, dass dieses Metier fu?r beide Qualitätssänger des ,,ernsten" Faches nicht prädestiniert wäre, stimmig und stilistisch hervorragend interpretiert zu werden. Der Anspruch in Richtung des Wienerischen war mit der Begleitung der Philharmonia Schrammeln sofort gewährleistet.



Die von Christoph Wagner-Trenkwitz gelesenen, nicht nur witzigen, eher aber bissig-sarkastischen kurzen Textbeiträge von Trude Marzik, Josef Weinheber und H. C. Artmann umrahmen mit großem Charme das musikalische Geschehen.

   
     
CD Track Titel Dauer Komponist PLAY
1 1 Was Oesterreich is' 4:34   0,99€
2 Fiakerlied 4:02   0,99€
3 Weil i a alter Drahrer bin 3:22   0,99€
4 Der Weana geht net unter 2:09   0,99€
5 Der narrische Kastanienbaum 3:26   0,99€
6 Es steht ein alter Nussbaum 3:20   0,99€
7 Es-tam-tam-Gstanzln 2:19   0,99€
8 Du guater Himmelvater 3:53   0,99€
9 Mei Muatterl war a Wienerin 2:44   0,99€
10 Unser Vater is a Hausherr 5:14   1,59€
11 Einmal in der Wochen fall i um 4:36   0,99€
12 Stellt's meine Ross in' Stall 3:39   0,99€
13 Was glaubn'S was gschegn is 2:27   0,99€
14 Wenn der Herrgott net will 4:39   0,99€
15 Ein kleiner Lausbub 3:54   0,99€
16 Geht's und verkauft's mei Gwand 3:04   0,99€
2 1 Weanerisch 3:15   0,99€
2 Es waere nicht Wien 1:13   0,99€
3 Ring-Quadrille 2:41   0,99€
4 Das suendige Wien 2:07   0,99€
5 blauboad 1:04   0,99€
6 heit bin i ned munta wuan 1:35   0,99€
7 Beim Grebelten 4:10   0,99€
8 Untern Packpapier 1:34   0,99€
9 Der Ober an den Piccolo 1:16   0,99€
10 Beserlpark glei um die Eckn 1:25   0,99€
11 Wiener Blut 9:32   1,59€
12 Die Landpartie 2:23   0,99€
13 waun e jemoes 1:11   0,99€
14 Der Glasscherben-Tanz 3:12   0,99€
15 Wirtshausgespraeche 3:32   0,99€
16 Wien bleibt Wien 2:54   0,99€
17 alanech fia dii 1:31   0,99€
18 Goethe - Rettung ... Rettung 2:36   0,99€
19 Bei Sang und Klang 2:46   0,99€
20 dea schdrenge hea onkl 1:52   0,99€
21 Gartenfest-Galopp 3:44   0,99€
 

„Wienerisches Slowfood“ de luxe

Groissböck, Ebner, Wagner-Trenkwitz – gegen das Aussterben der Eigenarten

Wenn ein Produkt aus Österreich „Gemischter Satz“ heißt und es sich dabei nicht um Wein handelt, lohnt sich per se ein zweiter (neugieriger) Blick. In diesem Fall heißt das neue CD-Projekt des gefeierten Bassisten Günther Groissböck tatsächlich genau so – Verwechslung ausgeschlossen, großes Erstaunen nicht. Es handelt sich nämlich um eine der berührendsten und entzückendsten Aufnahmen von Wiener Liedern der letzten Jahre.

Genauer gesagt haben sich Günther Groissböck, der Tenor Karl-Michael Ebner, langjähriges Mitglied der Volksoper Wien, sowie Österreichs prominentester Musiktheaterdramaturg Christoph Wagner-Trenkwitz zusammengetan, die traditionsreiche Wiener Philharmonia Schrammeln um sich versammelt und zwei CDs voller Duette, Lieder und Mundartgedichte aufgenommen. „Vier verschiedene Lautäußerungen des Wienerischen“ nennen es die Macher treffenderweise.

Dass die mutmaßlich weinselige Projektidee von Ebner und Groissböck – man lernte sich 2020 bei der Berliner „Rosenkavalier“-Produktion von André Heller kennen und schätzen – tatsächlich im Dezember 2021 das Licht der Welt erblickt, ist der Corona-Pandemie zu verdanken, die selbst Terminkalender weltweit gefragter Solisten ins Wanken brachte.

Insgesamt 16 Sololieder und Duette finden sich auf CD 1, eine bunte Mischung aus populären und unbekannten Stücken. Günther Groissböck veredelt bekannte Gassenhauer wie „Stellt’s meine Roß in’ Stall“ oder „Mei Muatterl war a Wienerin“ mit schmeichelnd sonorem Basstimbre und besticht durch authentischen Wiener Akzent. Als ebenbürtig-passender Charaktertenor-Partner überzeugt Karl-Michael Ebner (ehemaliger Wiener Sängerknabe im Übrigen) in Duetten wie „Unser Vater is a Hausherr“ oder der patriotischen Hymne „Was Österreich is’“ von Hans Schrammel und in Solostücken. „Weil i a alter Draher bin“ ist wohl das Bekannteste davon.

Charmant im Klang und weitaus mehr als „Begleitorchester“: die Philharmonia Schrammeln. Wer hier Lust auf mehr bekommen hat, legt CD 2 ein – und hört Wiener Schrammelmusik im Originalklang: zwei Geigen, eine Klarinette in Hoch-G, eine Alt-Wiener Knöpflharmonika und eine Kontragitarre. Die Instrumentalisten der Aufnahme Johannes Tomböck, Dominik Hellsberg, Stefan Neubauer, Günter Haumer und Heinz Hromada treten in die Fußstapfen von Instrumentalisten prominenter Wiener Orchester, die seit bereits 50 Jahren das Repertoire der legendären Brüder Schrammel auf Originalinstrumenten pflegen. Titel wie „Bei Sang und Klang“ oder der „Gartenfest-Galopp“ sind zwar nur Insidern ein Begriff, in Verschiedenartigkeit und Temporeichtum laden sie aber auch „ungeübte Hörer“ dieser Musik zum Hinhören und Entdecken ein.

Apropos hinhören: Das sollte man hier sowieso ganz genau – allein aus ganz praktischen Gründen. Eine Auswahl an Mundartdichtung demonstriert der „restlichen Welt“ die Komplexität Wiener Dialekte und komplettiert die Instrumentalmusik als direkte Gegenüberstellung von musikalischer und dichterischer Sprache der Stadt. Vorgetragen in bekannt-verschmitzer und sehr wienerischer Art von Christoph Wagner-Trenkwitz, der sich als Moderator und Conférencier beim Wiener Opernball auch über Österreich hinaus einen Namen gemacht hat.

Für bekennende Wien-Fans und Exil-Wiener ist dieses musikalische Kleinod ein absolutes Muss. Allen anderen sei wärmstens empfohlen, dem vielzitierten „Wiener Schmäh“ in der bestechenden Echtheit und Originalität dieser Aufnahme nachzuspüren. Es lohnt sich! - Iris Steiner (Orpheus Magazin)



________________________



Fließend Wienerisch



Günther Groissböck realisiert mit berufenen Künstlerkollegen ein Herzensprojekt.
„Gemischter Satz“ bezeichnet in der Winzersprache die Herstellung eines Weins unter Verwendung verschiedener Rebsorten. Im programmatischen Konzept dieses bei Gramola erschienenen Doppelalbums steht der Begriff für die Kombination verschiedener Spielarten des Wienerischen in Gestalt von Duetten, Liedern, Gedichten und Schrammelmusik (der Begriff leitet sich ab vom Namen der genreprägenden Gebrüder Schrammel). Star-Bassist Günther Groissböck und der Tenor Michael Ebner haben die Idee zu dieser Produktion parallel zu ihrer Beteiligung an André Hellers spektakulärer „Rosenkavalier“-Inszenierung des vergangenen Jahres entwickelt. Mit ins Boot geholt haben sie das Ensemble Philharmonia Schrammeln, seit Jahrzehnten eine Wiener Institution, sowie Christoph Wagner-Trenkwitz, ehemaliger Chefdramaturg der Wiener Staatsoper und amtierender solcher der Volksoper.

Temperamentvoller Charme
Groissböck und Ebner sind zwar gebürtige Nieder- bzw. Oberösterreicher, das Idiom des Wienerlieds beherrschen sie aber ebenso perfekt wie Lokalmatador Wagner-Trenkwitz. Groissböck und Ebner interagieren nicht nur gemeinsam (z.B. in „Was Österreich is´“/“Da Weana geht net unter“/“Was glauben´S was gschegn is“) mit musikalisch „blindem“ Verständnis, auch jeder für sich bewegen sie sich stilsicher in diesem Metier. Mit temperamentvollem Charme und wunderbar warm abgerundetem Bass-Timbre präsentiert Groissböck etwa das berühmte „Fiakerlied“, auch Ebner macht alleine (beispielsweise in „Weil i a alter Drahrer bin“) mit subtiler Phrasierungs-Raffinesse eine souveräne Figur. Der instrumental umrahmende Anzug der Philharmonia Schrammeln (in der Besetzung zwei Violinen, As-Klarinette, Alt-Wiener Knöpferlharmonika und Kontragitarre) sitzt perfekt, mit ihrer geballten, auf diesem Gebiet führenden Kompetenz malen sie das musikalische Kolorit perfekt aus.

„Schmäh“ aus erster Hand
Wagner-Trenkwitz hat in der Rezitation von Prosa und Mundart-Dichtung unterschiedlicher Epochen quasi ein literarisches „Heimspiel“ und ist buchstäblich mit allen lokalen Wassern der Genres gewaschen. Mit gewinnendem Charme und lebendiger Sprachgestik gibt er die von hintersinnigem, teils beißendem Humor durchsetzten Texte von Josef Weinheber, h.c. Artmann und Trude Marzik zum Besten. Die Philharmonia Schrammeln transportieren in den instrumentalen Nummern (exemplarisch Josef Wicharts „Weanerisch“) original Wiener „Schmäh“ aus erster Hand. Sogar humorvoll „verwienerischte“, unverkennbare Anklänge an Wagner gibt es in Alfons Eggers „Ring-Quadrille“. Johann Strauss‘ „Wiener Blut“ im ganz besonderen Wiener Klanggewand ist, um ein sprachlich bewusst zugespitztes Klischee zu bemühen, quasi die Extraportion Schlagobers auf der „Sacher-Torte“. Den Tonfall dieser Lieder, den Ausdruck des gelegentlich „Schmierigen“, sich zwischen den Zeilen im Ungefähren Bewegenden kann man, wie Groissböck selbst sagt, nicht akademisch vermitteln. Oder mit den Worten von Ebner: „Raunzen“ und „süffisant“ sein muss es. Man hat es eben, oder man hat es nicht – diese drei haben es definitiv. Was sie außerdem hörbar mitbringen: Leidenschaft und Begeisterung für die gemeinsam konzipierte Sache. Der Hintergrund des Projekts wird im Booklet eingehend geschildert, auch auf Inhalt und Entstehungskontext der einzelnen Lieder wird eingegangen. Was man sich, zumal für mit dem Wiener Dialekt weniger vertraute Hörer und trotz hoher Textverständlichkeit der Gesangsstimmen, als einziges noch hätte wünschen können, wäre ein Abdruck der Liedtexte gewesen.



Kritik von Thomas Gehrig, 26.01.2022 (klassik.com)

Labels

Empfehlungen & Angebote

Error: [error.MicroContentNotValid]