Streichquartette Entartete Kunst
Krasa / Krenek / Tansman
Adamas Quartett

GRAMOLA, 1 CD

Veröffentlichungsdatum: 01.09.2016

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Streichquartette Entartete Kunst

Neben der Erarbeitung des klassischen Streichquartett-OEuvres ist es dem österrichischen Adamas Quartett ein großes Anliegen, Komponisten, deren Werk vom nationalsozialistischen Regime ab 1930 als »entartet« geächtet wurde, oder die direkt Opfer der tyrannischen Vernichtungsmaschine wurden, die ihnen geraubte Anerkennung wiederzugeben. Auf seiner zweiten Einspielung widmet sich das erfolgreiche Ensemble dem Streichquartett von Hans Krasa, entstanden im Jahr 1921, seinem erst zweiten veröffentlichten Werk, das dennoch von erstaunlicher kompositorischer Reife zeugt. Anders als Krasa, der in Auschwitz ermordet wurde, konnte Alexandre Tansmann 1940 in die USA fliehen, nachdem er zehn Jahre zuvor das hier eingespielte »Triptyque für Streichquartett« komponiert hatte. Ebenfalls 1930 veröffentlichte Ernst Krenek, später auch in die Flucht getrieben, sein neo-romantisch ausgerichtetes Streichquartett Nr. 5 op. 65. Adamas Quartett Claudia Schwarzl, Roland Herret - Violinen; Anna Dekan - Viola; Jakob Gisler, Violoncello Das Kammermusikstudium am Joseph Haydn Institut für Kammermusik und Spezialensembles an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Johannes Meissl (Artis Quartett) sowie die Teilnahme an zahlreichen Meisterkursen bei Mitgliedern von renommierten Streichquartetten gaben dem 2003 gegründeten Adamas Quartett viele Anregungen für sein erfolgreiches kammermusikalisches Schaffen. Neben zahlreichen Konzerten im In- und Ausland debütierte das Adamas Quartett im April 2010 im Wiener Musikverein. Konzerten in Venezuela, Armenien, Frankreich und Griechenland, die von den österreichischen Botschaften organisiert wurden, folgte die Aufnahme in das Förderungsprogramm »New Austrian Sound of Music« des Außenministeriums in der Saison 2012/13, das dem Quartett viele weitere Konzerte im Ausland ermöglichte. Im Jänner 2013 traten die vier MusikerInnen als erste ÖsterreicherInnen gemeinsam mit dem französischen Cellisten Victor Julien-Laferrière in der Fondation Singer-Polignac in Paris auf. Im Juni 2013 debütierte das Quartett im Rahmen der Konzertreihe »Rainbow International« in der renommierten Suntory Hall in Tokio und gleich zwei Jahre darauf in der Izumi Hall in Osaka. Im November 2014 folgte das Quartett einer Einladung der Jeunesse, um im Neuen Saal der Wiener Sängerknaben »MuTh« zu konzertieren. 2015 wurden die vier MusikerInnen ausgewählt, im Rahmen der Weltausstellung drei Konzerte in Rom, Mailand und Feltre zu spielen. Im Februar 2016 folgte das Quartett einer Einladung der Britten-Pears Foundation zu einem zweiwöchigen Aufenthalt in Aldeburgh, England, als »quartet in residence«, wo es zwei erfolgreiche Konzerte in der Jubilee Hall in Aldeburgh gab.

   
     
CD Track Titel Dauer Komponist PLAY
1   Hans Krása - Streichquartett op. 2        
1     1. Moderato 6:23   1,59€
2 2. Prestissimo - Molto calmo - Volgare 5:36   1,59€
3 3. Molto lento e tranquillo 7:44   1,59€
  Alexandre Tansman - Triptyque        
4     1. Allegro risoluto 3:48   0,99€
5 2. Andante 4:44   0,99€
6 3. Finale 7:11   1,59€
  Ernst Krenek - Streichquartett Nr. 5 op. 65        
7     1. Sonate. Allegro, molto deciso… 10:14   2,39€
8 2. Thema und Variationen 19:34   3,19€
9 3. Phantasie. Adagio 14:27   2,39€
 

Phänomenale Mischung von jugendlichem Elan und gereifter Gestaltung
Das junge ‘Adamas Quartett’ aus Wien setzt einen Schwerpunkt seiner musikalischen Arbeit mit Komponisten, die im Dritten Reich verfemt wurden. Auch diese CD widmet sich mit den Quartetten von Krasa, Krenek und Tansman diesem Bereich.
Bereits das zweite Quartett von Hans Krasa zeichnet sich durch seine Reife und seine Expressivität aus. 1921 Entstanden also vor den Quartetten Janaceks, ist es ein mitreißendes modernes Werk, dass im Mittelsatz seinen volkstümlichen Charme durch das ironische Zitat eines Themas aus der ‘Verkauften Braut’ von Smetana verarbeitet. Damit zeugt es auch vom Selbstbewusstsein des Komponisten.
Aleandre Tansmans ‘Tryptichon’ ist im französischen Stil der Zeit komponiert. Die kontemplativen Passagen legen neben der Dreisätzigkeit einen Bezug zu einem dreiteiligen Altar nahe.
Ernst Kreneks fünftes von acht Quartetten entstand noch vor seiner Phase, in der er zwölftönig komponierte. Hier ist vielmehr eine geistige und kompositorische Nähe zu Schubert gegeben. Doch auch hier deuten sich schon die neuen Entwicklungen an, so im langsamen Satz, der ein ungewöhnliches thematisches Material für einen Variationssatz nutzt.
Die Zeitumstände beeinflussten die Komponisten sehr. Sie waren als entartete Künstler eingestuft. Am schlimmsten kam es für Krasa, der in Ausschwitz vergast wurde. Krenek und Tansman konnten in die USA ausreisen. Dort hielten sie sich mit Filmkompositionen über Wasser. Was hätte noch alles komponiert werden können, wenn sie sich frei hätten entwickeln können? Das soll aber nicht bedeuten, dass die vorgestellten Werke nicht schon ausgereifte Meisterstücke sind, sondern eben schon große Kunst, von der man sich mehr gewünscht hätte.
Das 2003 gegründete Adamas Quartett hat seine Ausbildung u. a. bei Johannes Meissl vom Artemis Quartett bekommen und schon etliche Preise gewonnen. In den vorgestellten Werken gelingt ihnen eine phänomenale Mischung der Darstellung aus jugendlichem Elan und gereifter Gestaltung. Die Ausgeglichenheit der Stimmen und Homogenität des Spiels beeindrucken bei einem noch nicht so lange zusammenspielenden Ensemble.
Rezension von Uwe Krusch / 12/06/2017 www.pizzicato.lu

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